StartseiteRatgeber › Scan, Pentest oder Audit

Scan, Pentest oder Audit: Welche Prüfung wofür

„Wir haben unsere Website prüfen lassen“ kann sehr Verschiedenes bedeuten — von zwei Minuten automatischer Messung bis zu zwei Wochen Handarbeit für einen fünfstelligen Betrag. Dieser Text erklärt die drei Prüfarten, was sie jeweils finden, was sie kosten und wann welche angemessen ist. Einschließlich der Fälle, in denen ein Scan nicht ausreicht.

Die drei Arten auf einen Blick

ScanPenetrationstestAudit
Was passiertAutomatische Messung gegen bekannte MusterMenschen versuchen einzudringenPrüfung von Prozessen und Nachweisen gegen einen Standard
DauerSekunden bis MinutenTage bis WochenWochen bis Monate
Wiederholbarkeittäglich, automatischein- bis zweimal im Jahrmeist jährlich
Kostenrahmen0 bis wenige hundert Euro im Jahrmittlerer vierstelliger bis fünfstelliger Betragfünfstellig aufwärts
ErgebnisListe messbarer AbweichungenBericht mit tatsächlich ausgenutzten WegenNachweis gegenüber Dritten
Findetbekannte, sichtbare SchwächenVerkettungen und Logikfehlerfehlende Prozesse und Dokumentation

Der Scan

Ein Werkzeug ruft die Website auf und prüft eine feste Liste von Kriterien: Verschlüsselung, Zertifikat, Weiterleitungen, Sicherheitskopfzeilen, eingebundene Drittdienste, Cookies vor der Einwilligung, erreichbare Pflichtseiten, offen liegende Dateien, Softwareversionen.

Die Stärke ist nicht die Tiefe, sondern die Wiederholung. Ein Scan kostet fast nichts und lässt sich täglich laufen lassen. Damit findet er eine Kategorie von Problemen, die kein Test findet — solche, die neu entstehen:

Was ein Scan nicht kann: Er sieht nur die Außenhaut. Hinter einer Anmeldung, in der Rechtevergabe und in der Ablauflogik ist er blind. Und er bewertet nach Regeln — was keine Regel abbildet, taucht nicht auf.

Ein zweiter, seltener genannter Punkt: Ein Scan kann falsch positiv melden. Eine Seite, die einen Header bewusst weglässt, weil eine Anwendung ihn braucht, erscheint als Mangel. Deshalb gehört zu jedem Scanbericht jemand, der die Befunde einordnet — sonst arbeitet man eine Liste ab, die zum Teil keine Liste von Problemen ist.

Der Penetrationstest

Hier versuchen Menschen tatsächlich, in das System zu kommen — mit denselben Mitteln wie ein Angreifer, aber mit Auftrag und in vereinbarten Grenzen. Ein Test findet, was Werkzeuge nicht finden:

Die Varianten

AnsatzWas der Tester bekommtSinnvoll wenn
Black Boxnur die Adresseman wissen will, was ein Fremder erreicht
Grey BoxZugänge und grobe Architekturmeist die beste Wahl — mehr Tiefe je eingesetztem Tag
White Boxzusätzlich Quellcodebei eigenentwickelter Software mit hohem Schutzbedarf

Ohne Vorwissen verbringt ein Tester einen erheblichen Teil der bezahlten Zeit damit, sich zu orientieren. Wer Grey Box beauftragt, bekommt für dasselbe Geld mehr geprüfte Fläche.

Woran man ein seriöses Angebot erkennt

Warnzeichen: Ein „Penetrationstest“ für wenige hundert Euro ist in aller Regel ein automatisierter Scan unter teurerem Namen. Der erkennbare Unterschied liegt im Bericht: Enthält er nur Werkzeugausgaben mit Kennnummern und Schweregraden, war kein Mensch am Werk.

Und ein rechtlicher Punkt: Ein Test ohne schriftliche Beauftragung durch den Betreiber ist nicht zulässig — auch nicht „zur Sicherheit“ oder als ungefragte Dienstleistung. Läuft die Website bei einem Hoster, sollte auch der informiert sein, weil Testverkehr sonst als Angriff gewertet wird.

Das Audit

Ein Audit prüft nicht, ob jemand hineinkommt, sondern ob die Organisation dahinter funktioniert: Gibt es dokumentierte Prozesse? Werden sie eingehalten? Sind Zuständigkeiten geregelt, Zugriffe dokumentiert, Sicherungen getestet?

Der typische Anlass ist ein Nachweis gegenüber Dritten:

Ein Audit sagt wenig darüber, ob die Website morgen angreifbar ist. Es sagt, ob es einen Prozess gibt, der so etwas bemerkt und behandelt. Beides ist wertvoll, aber es ist nicht dasselbe.

Was wofür — eine Entscheidungshilfe

AusgangslageAngemessen
Unternehmenswebsite ohne Anmeldung, ohne ZahlungRegelmäßiger Scan. Ein Pentest hätte hier wenig Fläche zu prüfen.
Onlineshop mit KundenkontenScan laufend, dazu ein Pentest — vor allem für Kasse und Kundenbereich.
Eigenentwickelte Anwendung mit NutzerdatenPentest, wiederkehrend, ergänzt um Scans zwischen den Terminen.
Agentur mit vielen KundenwebsitesScan über alle Seiten, damit Abweichungen auffallen. Pentests einzeln nach Bedarf.
Ausschreibung oder Zertifizierung steht anAudit — der Scan ist trotzdem sinnvoll, weil er Belege liefert.
Nach einem SicherheitsvorfallZuerst forensische Aufarbeitung, danach Pentest. Ein Scan hilft in dieser Lage wenig.

Warum sich die Arten nicht ersetzen

Der häufigste Denkfehler ist, die drei als Stufen derselben Leiter zu sehen — als sei ein Pentest ein besserer Scan. Sie beantworten unterschiedliche Fragen:

Ein Pentest ist eine Momentaufnahme. Drei Wochen nach dem Bericht kann ein Plugin-Update eine neue Lücke aufreißen, und der Bericht sagt darüber nichts. Umgekehrt findet ein Scan nie das, wofür man einen Menschen braucht.

In der Praxis ist die Kombination naheliegend: ein Test in Abständen, dazwischen die laufende Messung. Wer nur eines bezahlen kann, sollte danach entscheiden, was auf der Seite überhaupt zu holen ist — eine Website ohne Anmeldung und ohne Zahlungsverkehr bietet einem Pentest wenig Fläche, und dasselbe Geld ist dort in einer Aufräumaktion besser angelegt.

Wo wir selbst stehen

Damit das eingeordnet ist: Apexly ist ein Scanner. Das Werkzeug misst regelmäßig, was von außen sichtbar ist, protokolliert Veränderungen und meldet Abweichungen. Es ersetzt keinen Penetrationstest und kein Audit — und wo ein Test die richtige Antwort ist, sagen wir das lieber hier, als es im Verkaufsgespräch zu umgehen.

Was ein Scanner besser kann als jeder Test: Er ist am Montag noch da. Die häufigste Ursache eines Problems ist nicht, dass eine Seite unsicher gebaut wurde, sondern dass sie es geworden ist — durch eine Änderung, die niemand als sicherheitsrelevant wahrgenommen hat.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem Scan und einem Pentest?

Ein Scan prüft automatisiert gegen bekannte Muster und sieht, was von außen sichtbar ist. Ein Penetrationstest ist Handarbeit: Menschen versuchen tatsächlich, in das System zu kommen, kombinieren mehrere kleine Schwächen und finden Fehler in der Ablauflogik, die kein Werkzeug erkennt.

Was kostet ein Penetrationstest?

Für eine überschaubare Webanwendung liegen die Angebote meist im mittleren vierstelligen bis unteren fünfstelligen Bereich. Der Preis richtet sich nach dem Aufwand in Personentagen, nicht nach der Zahl der Seiten. Deutlich günstigere Angebote sind in der Regel automatisierte Scans unter anderem Namen.

Reicht ein Scan für die DSGVO?

Für den technischen Teil deckt er viel ab: Verschlüsselung, Drittdienste, Cookies vor der Einwilligung, erreichbare Pflichtseiten. Die organisatorischen Pflichten — Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten, Auftragsverarbeitungsverträge, Löschfristen — kann kein Werkzeug von außen prüfen. Die vollständige Liste steht in der DSGVO-Checkliste.

Wann brauche ich ein Audit statt eines Tests?

Wenn ein Nachweis gegenüber Dritten gefordert ist — bei Zertifizierungen, in Ausschreibungen, bei Anforderungen von Auftraggebern oder Versicherern. Ein Audit bewertet Prozesse und Dokumentation gegen einen Standard, nicht die technische Angreifbarkeit.

Kann ein Scan einen Pentest ersetzen?

Nein, und umgekehrt genauso wenig. Ein Scan läuft regelmäßig und findet Abweichungen am Tag, an dem sie entstehen. Ein Pentest ist eine Momentaufnahme in großer Tiefe. Sinnvoll ist die Kombination: der Test in Abständen, der Scan dazwischen.

Darf ich einen Pentest bei meinem Hoster einfach beauftragen?

Du brauchst die Zustimmung des Betreibers — bei der eigenen Seite bist du das selbst — und solltest den Hoster informieren. Testverkehr wird sonst als Angriff gewertet und die Adresse gesperrt, was den Test abbricht und im ungünstigen Fall die Seite lahmlegt.

Den Scan-Teil kannst du sofort haben

Ein Scan pro Tag ist kostenlos — ohne Anmeldung, ohne Installation.

Stand: 6. August 2026. Dieser Text erklärt technische Zusammenhänge und ist keine Rechtsberatung.